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Wie wird Negativselektion bei Auswertungen vermieden?

Negativselektion bezeichnet die Möglichkeit, durch Vergleich von Befragungsergebnissen verschiedener Organisationseinheiten auf die Antworten einzelner Personen rückzuschließen. Dies kann passieren, wenn jemand die Gesamtergebnisse einer Abteilung kennt und diese mit den Teilergebnissen vergleicht – durch einfache Subtraktion ließen sich dann die Antworten von Personen oder kleinen Teams berechnen, für die wegen Unterschreitung der Auswertungsuntergrenze eigentlich kein eigener Bericht erstellt wurde.

Um dies zu verhindern, werden Antworten gefährdeter Teilnehmender (typisch unter 3 Personen) ausschließlich in die Gesamtergebnisse eingerechnet, aber nicht in der hierarchischen Organisationsstruktur ausgewertet. So wird die Anonymität gewahrt, da keine Rückrechnung auf einzelne Personen möglich ist.

Was ist Negativselektion?

Nach Abschluss einer Mitarbeiter- oder Pulsbefragung werden die Antworten der Teilnehmenden gruppiert nach Organisationseinheiten bereitgestellt. Durch die Auswertungsuntergrenze sind die Antworten einzelner Personen eigentlich nicht bestimmbar. Allerdings können Situationen auftreten, in denen durch das Vergleichen der Ergebnisse mehrerer Organisationseinheiten die Antworten einzelner Teilnehmender berechnet werden könnten. Diese Berechnung wird Negativselektion genannt.


In der Abbildung 1 ist eine fiktive Organisationsstruktur dargestellt, in der die Teams 1 bis 3 der Abteilung A unterstellt sind. Da Team 1 mit nur einem (1) Teilnehmenden (TN) die Auswertungsuntergrenze von 3 nicht erreicht hat, wird für diese Organisationseinheit kein Bericht erstellt. Kennt eine Person die Ergebnisse der Abteilung A sowie der Teams 2 und 3, könnte sie die Ergebnisse dieser Teams vom Gesamtergebnis der Abteilung A abziehen und erhielte dadurch das Ergebnis von Team 1.

Abbildung 1: Fiktive Organisationsstruktur

Ein weiteres Beispiel für Negativselektion zeigt die Abbildung 2. In Abteilung B gibt es einen (1) Direct Report, für den kein eigener Bericht erstellt wird, da die Auswertungsuntergrenze nicht erreicht wurde. In diesem Fall könnte eine Person, die die Ergebnisse der Abteilung B sowie Team 4 und Team 5 kennt, die Antworten des Direct Reports berechnen.

Abbildung 2: Fiktive Organisationsstruktur mit Direct Report

Ein drittes Beispiel für Negativselektion kann bei der Auswertung nach Attributen (z.B. Standort, Altersgruppe, Betriebszugehörigkeit) auftreten (siehe Abbildung 3). In einem fiktiven Unternehmen arbeiten die Mitarbeitenden an drei Standorten: Stadt A, Stadt B, Stadt C. Für eine Pulsbefragung lädt das Unternehmen jeweils 20 Mitarbeitende aus Stadt A und B ein und 1 Person aus Stadt C. In diesem Fall könnte eine Person, die die Ergebnisse von Stadt A sowie Stadt B kennt, die Antworten der Person aus Stadt C berechnen.

Abbildung 3: Attribut Standort

Wie wird Negativselektion vermieden?

Zur Vermeidung der Negativselektion werden die Antworten der betroffenen Teilnehmenden ausschließlich in den Gesamtergebnissen ausgewertet.

Diese Methode wird erst ab einem bestimmten Schwellenwert, ähnlich der Auswertungsuntergrenze, angewandt. Denn sobald die Anzahl der Teilnehmenden, deren Antworten man berechnen könnte, eine gewisse Schwelle erreicht, ist kein Rückschluss auf einzelne Personen mehr möglich. Als Schwellenwert ist 3 ausreichend, aber ein Weisungsbefugter kann über die Kundenbetreuerin oder den Kundenbetreuer den Schwellenwert auch auf die Auswertungsuntergrenze erhöhen lassen.

Konkret wird bei der Berechnung die Anzahl der eingeladenen Personen all der Organisationseinheiten zusammengezählt, die unter der Auswertungsuntergrenze waren. Wenn die Anzahl dieser Personen unter dem Schwellenwert liegt, werden sie nicht mehr in der zugeordneten Organisationsstruktur ausgewertet, sondern nur noch in den Gesamtergebnissen.

Die Abbildung 4 zeigt die zwei fiktiven Abteilungen aus den vorherigen Beispielen. Durch die erwähnte Methode werden die Antworten von Team 1 aus Abteilung A und des Direct Report aus Abteilung B ausschließlich in den Gesamtergebnissen ausgewertet, so dass keine Negativselektion mehr möglich ist.

Abbildung 4: Organisationsstruktur mit Vermeidung von Negativselektion

Negativselektion bei Attributen und demographischen Fragen

Die Vermeidung von Negativselektion bei der Auswertung von Attributen und demographischen Fragen ist optional. Falls Sie auch hier Negativselektion vermeiden möchten, kontaktieren Sie bitte Ihren Kundenbetreuer oder Ihre Kundenbetreuerin.

Die Methode zur Vermeidung der Negativselektion bei Attributen und demographischen Fragen unterscheidet sich von der Methode bei Organisationseinheiten. Falls Negativselektion möglich wäre, werden keine Ergebnisse für die Ausprägungen des Attributs bzw. die Antwortmöglichkeiten der demographischen Frage ausgegeben.

Konkret wird bei der Berechnung für Attribute die Gesamtsumme aller eingeladenen Personen von Ausprägungen unter der Auswertungsuntergrenze, mit dem Schwellenwert verglichen. Wenn die Gesamtsumme kleiner als der Schwellenwert ist, werden für das Attribute gar keine Ergebnisse angezeigt.

Bei demographischen Fragen können nur die Teilnehmenden berücksichtigt werden, die die demographische Frage auch beantwortet haben. Für alle Antwortmöglichkeiten der demographischen Frage, bei denen die Anzahl der Antworten unter der Auswertungsuntergrenze liegt, wird die Anzahl der Teilnehmenden aufsummiert. Wenn die Summe kleiner als der Schwellenwert ist, werden für die demographische Frage gar keine Ergebnisse angezeigt.